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Zweiter Tag

Nach einer kurzen Diskussion, ob es nun schon Morgen sei oder noch nicht, krochen wir aus unserem Zelt. Es war schon Morgen, es dämmerte und zeigte uns die Umgebung unverändert. Neblig, kalt, feucht. Und um uns herum, hier mitten im Wald, das Geknatter und Dröhnen von Mopeds und Motorrädern. Das war anders. Samstag und anscheinend für einige Menschen der Beginn eines Wochenendes in der Natur.

Ich installierte wieder den kleinen Gaskocher und bis das Wasser kochte, machten wir gemeinsam eine Runde Taiji Quan. Dann gab es Kaffee und Müsli. Nach dem Frühstück begann das Prozedere des Einpackens. Das Zelt sollte möglichst trocken sein, was nicht so einfach war. Letzten Endes war es wohl schon um die 10 Uhr. bis wir wieder in Tritt kamen.

Nun ging es erst einmal bergab. Um uns herum ein wunderschöner Wald, in dem es von Elfen und Gnomen nur so wimmeln musste. Die Natur genoß offensichtlich die Feuchtigkeit, die so lange ausgeblieben war. Wir waren darüber nicht so sehr erfreut. 

Es zeigte sich, dass sich an Melanies Ferse eine Schleimbeutelentzündung entwickelt hatte. Die war recht schmerzhaft und bedeutete, die Tour abzubrechen. Aber wir mussten erst zum Bus und die Haltestelle an der Caldera war rund 15 Km entfernt. Auch wenn wir auf einem weichen Kiefernnadelteppich wanderten, musste es für Melanie eine Tortur sein. Angebote, von ihrem Gepäck einiges zu übernehmen lehnte sie tapfer ab. 

Es ging eine ganze Weile bergab, was bedeutete, bald wieder aufsteigen zu müssen. Als unser Weg einen Forstweg kreuzte, wollte ich gerne diesen nehmen, in der Hoffnung, den Aufstieg zu ersparen. Aber nicht Melanie. Da wir ohne Netz nicht feststellen konnten, wohin dieser Forstweg führt, bestand sie darauf, auf der markierten Strecke zu bleiben. Als wir nach auf und ab wieder auf diesen Weg kamen, dann aber wieder hoch gemusst hätten, setzte ich mich durch, ab nun auf diesem Weg zu bleiben. Ich bereue es immer noch.

Es war, wie ich vermutet hatte, tatsächlich der Weg, auf den der rot/weiß markierte GR131 nahe der Casa del Agua stößt. Und wir mussten auch nicht mehr steil aufsteigen. Aber dieser Forstweg schlängelte sich in endlosen Serpentinen hinunter in das Tal des Barranco del Infierno und bescherte uns einen geschätzten Umweg von 5 Kilometern.
Als wir endlich auf dem Weg zur Caldera waren, markierte ein Warnschild die Strecke als aus Sicherheitsgründen gesperrt. Wir wollten geradezu verzweifeln. Was sollten wir denn machen? Es gab einen Hinweis nach Pinolere. Aber würden wir dort einen Bus bekommen? Zur Not sicher ein Taxi. Gerade als wir dorthin abbiegen wollten kam ein Paar mit Hund, Spaziergänger, die wir fragen konnten. Nein, wir sollten zur Caldera gehen, nein der Weg sei nicht gesperrt, es sei ein schöner Weg. Noch knapp 6 Kilometer.

Diese letzten Kilometer kamen uns endlos vor. Wenn man schon 15 Kilometer gelaufen ist, dann glaubt man, 4 Kilometer könnten doch nicht so weit sein. Aber auch auf ebener Strecke, mit Gepäck und einem verletzten Fuß dauert es. Es dauerte viel zu lange. Endlich an der Haltestelle angekommen mussten wir noch eine gute halbe Stunde warten. Zu allem Übel fing es an zu regnen. Aber was sollte es? Wir hatten es geschafft. 

Von der gesamten Strecke des Gran Ruta 131 hatten wir ein Drittel zurückgelegt und mussten nun nach Hause. Wir waren erschöpft, die Körper müde, die Herzen traurig und alle Zellen durstig. Wir wurden glücklich, als wir eine Stunde später auf die Casa Roja zugingen und die Lebensgeister erwachten wieder unter einer heißen Dusche. 

Und wir planten, wie wir die restliche Strecke bewältigen können.

Ihr, liebe und treue Leser, müsst nun etwas warten. Erst muss der Fuß heilen und der richtige Tag kommen. Dann geht es weiter.